Brauchen Sie Vorkenntnisse für meine Vorlesungen?

Vorlesungen und Vorlesungsinhalte

Ich lehre hauptsächlich im Bereich diskreter Mathematik und algebraischen und logischen Grundlagen (der Informatik).

Einige dieser Vorlesungen gehören zum Pflichtkanon der Studiengänge BI oder BCSP oder sind als Wahlpflicht-/Spezialisierungsmodule empfohlen. Die Inhalte vertiefen einfache aber fundamentale mathematische Konzepte. Wichtig ist das Verständnis des Stoffes und nicht die Fähigkeit ihn nur reproduzieren zu können. Meine Lehrveranstaltungen in den Masterstudiengängen wiederum setzen den Stoff meiner Bachelorveranstaltungen voraus. Die Inhalte vertiefen und verallgemeinern fundamentale Konzepte und für die Informatik notwendige Konstruktionen. Wichtig ist das Verständnis des Stoffes und die Fähigkeit ihn auf neue Probleme anwenden zu können.

Ich setze die Fähigkeit zum reproduktiven Problemlösen als im Laufe Ihrer schulischen Ausbildung erworben voraus und erwarte lediglich sogenannte "Transfer"-Leistungen. Schwierige mathematische Inhalte kommen eigentlich kaum in den Vorlesungen vor; das Schwierigste wird für Sie sein, die mathematische Formensprache und das genau mathematische Denken jenseits des angeleiteten Rechnens zu erlernen, da dieses die Grundlage zur Lösung von Problemen der algorithmischen Informationsverabeitung (vulgo "Informatik") ist.

Daher müssen Sie auch keine Computer- oder Programmierkenntnisse mitbringen (für ein paar Beispiele sind sie aber hilfreich). Sie erwerben in den Veranstaltungen zur Theorie und Praxis der Algorithmik zusammen mit meinen Lehrveranstaltungen die Fähigkeit sich diese Kenntnisse problemorientiert selbst anzueigenen.

Vorwissen

In den Einführungsveranstaltungen werden viele Konzepte aus der Schulmathematik der Klassen 6-8 wiederholt, obwohl ich teilweise den Stoff der Schulmathematik bis einschliesslich Klasse 9 und 10 voraussetze. Diese und bereits weiterführende Themen werden auch im Studienvorkurs/Brückenkurs ausführlich behandelt und werden daher ebenfalls vorausgesetzt. Um Ihre Fähigkeiten einzuschätzen, sehen Sie sich an, ab Sie folgenden kleinen Ausschnitt aus der Schulmathematik bis zur mittleren Reife beherrschen. Sollten Sie dabei auch nur kleine Probleme haben, werden Sie im weiteren Verlauf eines Studiums an einem Informatikfachbereich sehr große Probleme bekommen. Ich möchte auch auf das "für interessierte Schüler der oberen Klassen empfohlene" Buch Logik, Mengenlehre, Zahlenbereiche hinweisen, in dem Teil A.1-2. Ihnen hilft, sich mit der mathematischen Sprech- und Denkweise anzufreunden sowie in A.3-5. ein bißchen Logik zum Schnuppern für Sie bereit hält. Ebenso sollten Sie Teil B. komplett entweder zur Vorbereitung oder ergänzend zu den entsprechenden Pflichtvorlesungen ("DMLA" in BI und "ALG" in BCSP) im ersten Semester bearbeiten.

Hinweise und Ratschläge

Es gibt zu meinen Lehrveranstaltungen kein Skript. Es gibt (zumindest für die Pflichtvorlesungen) Foliensätze. Meine Vorlesungen finden aber zumindest teilweise an der Tafel statt. Sie bringen die Fähigkeit mit, das Informationsangebot der Bibliotheken oder des Internets zu nutzen, um selbständig relevante Literatur und Lernhilfen zu recherchieren.

Generative KI kann eine Hilfe sein. Ich rate Ihnen davon ab, generative KI bei der Hilfe zur Erstellung von Lösungen oder gar deren Korrektur zu verwenden. Sie kann Ihnen bei der Erstellung von Problemstellungen zur selbständigen Lösung helfen. Generative KI kann Ihnen bei Orthografie, Interpunktion und Grammatik helfen. Die verwendeten Fachbegriffe sind in den (bilingualen) Trainingskorpora der Sprachmodelle anscheinend seltener vorhanden. Daher sind Übersetzungen mit Vorsicht zu geniessen. Nutzen Sie generative KI möglichst nicht zur Formulierungshilfe. Wenn Sie nicht in der Lage sind, Ihre Gedanken klar zu formulieren, liegt der Verdacht nahe, daß Ihre Vorstellungen ebenso unklar sind. Versuchen Sie keinesfalls einfache Sprache durch generative KI besser aussehen zu lassen. Klare Gedanken können und sollten einfach formuliert werden. Nicht selten läßt generative KI klare Aussagen und deren Bedeutung hinter scheinbar besseren Fomulierungen verschwimmen.

Ich rate nachdrücklich dazu eigene Mitschriften der Vorlesungen anzufertigen. Fotografien der Tafelbilder oder Downloads der Foliensätze allein reichen nach meiner Erfahrung in der Regel nicht aus, um die verlangten Kenntnisse und Fähigkeiten zu erlangen. Ich empfehle Ihnen eine handschriftliche Vorlesungsmitschrift, die Sie am Besten in einer Lerngruppe gründlich nachbereiten (und wiederholt überarbeiten). Die Modulprüfungen finden meist in Form einer schriftlichen Klausur statt. Sie sollten sich daher nicht nur im eigenen Interesse um Lesbarkeit (auch im Sinne von "Leserlichkeit") bemühen. Unleserliche oder unverständlich formulierte Lösungen in Klausuren werden nicht gewertet, sobald der Leseaufwand in keinem vertretbaren Verhältnis zum Korrekturaufwand steht.

Arbeitsaufwand

Die Curricula sind auf ein Vollzeitstudium ausgelegt, in dem Sie in den Vorlesungswochen und der vorlesungsfrreien Zeit einen zeitlichen Aufwand mindestens im Umfang einer regulären, vollen Berufstätigkeit investieren (also 40 bis 50 Stunden pro Woche). Selbst unter diesen Umständen ist es für den "Normalstudenten" schwer, ein Studium in Regelstudienzeit zu absolvieren.

Zwar sind mindestens zwei Drittel aller Studierender berufstätig, aber der Anspruch eines Studiums bleibt vom Umfang einer nebenberuflichen Tätigkeit unabhängig. Somit ist ein Studium bei gleichzeitiger Berufstätigkeit zwingend ein Teilzeitstudium. Wenn Sie also 10 Stunden pro Woche beruflich tätig sind, dann müssen Sie sich im Klaren sein, daß Sie die Leistungsziele der Lehrveranstaltungen in nur höchstens drei der vier Pflichtvorlesungen im ersten Semester erfüllen können - falls Sie jede Prüfung auf Anhieb bestehen und konstant auf einem hohen Niveau studieren, das Ihnen im Vollzeitstudium einen Abschluß in Regelstudienzeit ermöglichen würde.

Noten

Das Notensystem an Hochschulen gibt 10 Notenstufen im Bestehensfall vor.
1.01.31.72.02.32.73.03.33.74.0
sehr gutgutbefriedigendausreichend
Bei der Bewertung von Ausarbeitungen nutze ich in allen Kategorien stets nur "Punkte":
543210
Sehr gut, über das Erwartete Maß hinaus. Gut: Problem erkannt, richtigen Lösungsweg gewählt (fast) korrekt gelöst Befriedigend: Problem erkannt, Lösungsweg erkannt, mit kleinen Mängeln Ausreichend. Problem erkannt, Lösungsansatz erkennbar, mit Mängeln. Mangelhaft. Problem erkannt, Lösungsansatz teilweise erkennbar; Arbeit mit starken Mängeln. Ungenügend. Problem nicht erkannt/nicht bearbeitet.
Eine feiner granulare Benotung halte ich für unnötig; außerdem beschreiben die den Punkten zugeordneten Attribute die Leistungen genau. Teilnoten (also "2.7", d.h. "voll befriedigend") ergeben sich aus gewichteten Punktsummen. In Abhängigkeit von der Maximalpunktzahl ergibt sich eine Prozentzahl, die wie folgt auf das Notenschema abgebildet wird:
Note1.01.31.72.02.32.73.03.33.74.0
Mindest-% 95 90 85 80 75 70 65 60 55 50

Oft wird eine 4 als eine schlechte Note interpretiert. Das ist sie nicht. Denn eine 4 bekommt nur, wer die Mindestanforderungen, die von einem Absolventen zu erwarten ist, erfüllt. Das ist mitnichten selbstverständlich! Zumindest in den ersten Semestern erfüllt ein signifikanter Anteil von Studierenden diese Anforderungen eben nicht. Umgekehrt ist aber diese Mindestanforderung auch sehr wohlwollend festgelegt. Sie besteht ja nur darin, gerade einmal die Hälfte einer Bestleistung zu erbringen.

Nachbemerkung

Fähigkeiten

In der Schulausbildung werden Ihnen Fakten und Fähigkeiten vermittelt und deren technische Anwendung eingeübt. Sie sind in der Lage, diese Fähigkeiten anzuwenden, wenn man Ihnen sagt, welche Methode Sie in einem konkreten Fall anwenden müssen. In einem Studium werden Ihnen ebenfalls Fähigkeiten vermittelt. Daß Sie diese Fähigkeiten einüben bis Sie sie beherrschen, liegt nun in Ihrer eigenen Verantwortung. Sie müssen in der Lage sein, vermitteltes oder eigenverantwortlich erlangtes Wissen auf unbekannte Probleme anzuwenden. Reproduktive Fähigkeiten sind nicht ausreichend. Sie müssen selbstständig Probleme verstehen, Lösungswege finden und dazu bekannte Verfahren verwenden können.

Inhalte

Wie man EXCEL bedient und Powerpointpräsentationen erstellt oder ein Webfrontend für ein Dashboard der Key-Performance-Indikatoren programmiert, können Sie besser und schneller an einer Berufsakademie erlernen als in einem Informatik-Studium; wenn Sie sich für Management von IT-Infrastrukturen interessieren, ist ein Studium der Betriebswirtschaft sicher die bessere Wahl. Wenn Sie sich für Mensch-Maschine-Interaktion, Grafik, GUIs und Usability interessieren, dann kann auch ein Psychologie- oder Designstudium die richtige Wahl sein.

Ihr "Masterplan"

Ein Studium unterscheidet sich daher signifikant von einer Berufsausbildung. Wägen Sie daher ab, ob ein Informatikstudium die richtige Wahl hinsichtlich Ihrer Berufs- und Lebensplanung ist.